Erster grüner Stern: Weiße Zwerge leuchten in Farben, die niemand erwartet hat
Ein Stern, der für das Auge grün wäre
Astronominnen und Astronomen der University of Warwick in England haben erstmals einen Stern gefunden, der für das menschliche Auge grün erscheinen würde: den weißen Zwerg WD J1330+6435, rund 284 Lichtjahre von der Erde entfernt und etwa 4.000 Grad Celsius heiß. Ihre Farbe wirkt in den Modellen des Teams chartreusegrün. Die Studie erschien im Fachjournal RAS Techniques and Instruments (RASTI) unter dem Titel „Any colour you like: The diverse chromaticities of white dwarfs". CNN berichtete am 16. Oktober 2026 darüber.
Leiter der Arbeit ist Dr. Mark Hollands, Warwick Prize Fellow in der Gruppe für Astronomie und Astrophysik. Ihm zufolge sei bislang kein anderer Stern – lebend oder tot – je glaubwürdig als grün gemeldet worden. „Es überraschte mich selbst, dass diese extrem dichten Sterne Farben erzeugen, mit denen niemand gerechnet hat" (sinngemäß übersetzt).
Kein Stern ist nah genug – die Farbe ist berechnet
Kein weißer Zwerg steht der Erde so nahe, dass man seine Farbe direkt sehen könnte. Das Team rechnet sie deshalb aus Spektren heraus, die Astronomie routinemäßig aufnehmen. Ein Spektrum beschreibt, wie Sternlicht nach Wellenlängen aufgefächert ist – vergleichbar mit einem Prisma, das Sonnenlicht in einen Regenbogen zerlegt. Die Spektren wurden durch ein Modell des menschlichen Farbsehens geschickt.
Warum Weiße Zwerge aus dem Raster fallen
Weiße Zwerge sind die dichten Reste sonnenähnlicher Sterne. Ihre Farbe folgt bei den meisten Sternen fast nur der Temperatur: kühle Sterne wirken orange, die Sonne weiß, die heißesten blassblau. Bei den kühlsten weißen Zwergen erreicht die Atmosphäre jedoch eine Dichte von etwa einem Gramm pro Kubikzentimeter – etwa wie Wasser und Millionen Mal dichter als die Photosphäre der Sonne. Unter diesen Bedingungen reagieren Spurenelemente wie Kohlenstoff, Calcium oder Natrium mit dem umgebenden Helium-Plasma und absorbieren Licht über einen breiteren Wellenbereich als sonst. So weicht die Farbe von Orange, Weiß und Blau ab.
Bei WD J1330+6435 stammt das aufgenommene Gesteinsmaterial aus dem eigenen Planetensystem: Es reicherte die Atmosphäre mit Calcium, Lithium und Natrium an. Das Natrium schluckt den orangefarbenen Teil des Spektrums und hinterlässt, so Hollands, ein geisterhaftes grünes Leuchten.
Mehrere Farbfamilien
Die Farben fallen laut Studie in Gruppen, die an der Zusammensetzung der Atmosphäre hängen: kohlenstoffreiche weiße Zwerge erscheinen pink bis violett, mit Material angereicherte Zwergreste zerstörter Asteroiden und Kometen eher gelb, kühle Zwergsterne mit gemischten Wasserstoff- und Heliumatmosphären cyan bis blassblau – dort kollidieren Wasserstoffmoleküle mit Heliumatomen.
Am roten Ende steht WD J1011+2845, ein weißer Zwerg nur 48 Lichtjahre von der Erde entfernt. Eine tiefe Konvektionszone schleppt Kohlenstoff aus dem Kern an die Oberfläche. Die entstehenden C₂-Moleküle drängen fast das gesamte Licht jenseits von 600 Nanometern zusammen – ein tiefes Lachsfarbenrosa. Es könnte der röteste je aufgezeichnete Stern sein. Ein zweiter pinker Fall ist WD J0902+2010.
Was die Farben über Planeten verraten
Weil Weiße Zwerge Material aus zerstörten Kleinkörpern aufnehmen, lassen sich aus ihnen Rückschlüsse auf die Zusammensetzung von Gestein ziehen. Adam Burgasser, Professor an der University of California San Diego und nicht an der Studie beteiligt, verglich die Zwergsterne mit einem Tatort, an dem die Reste eines Planeten untersucht werden – sinngemäß übersetzt: „Der weiße Zwerg zerlegt die Planeten, und wir können sehen, was in ihnen war".
Die Auswertung von 151 weißen Zwergen innerhalb von 20 Parsec (rund 65 Lichtjahren) ergab fünf ungewöhnlich gefärbte Sterne – zwei gelbe, drei pinke. Das entspricht etwa einem von dreißig weißen Zwergen. Bei den übrigen 146 lag die gemessene Farbtemperatur im Median bei rund 6.800 Kelvin, was wir als Weiß wahrnehmen. Das korrigiert eine verbreitete Fehlannahme: Weiße Zwerge seien typischerweise blau. Blauere, heißere Exemplare sind einfach heller und damit in Helligkeits surveys überrepräsentiert.
Was ist noch unklar
Die Farben sind Modellrechnungen, keine direkten Beobachtungen. Agnès Kim von der Penn State University, die nicht an der Arbeit beteiligt war, hält die Beobachtungen für den grünen Stern auf bestehenden Daten basierend – sie könnten also kaum neue Erkenntnisse über weiße Zwerge liefern. Das Team nennt als mehrfach genannten Effekt Calcium, Natrium und Lithium, ohne deren Anteile zu beziffern.
Wie es weitergeht
Hollands will weitere Spektren auswerten. Wie er ankündigte, steht der Anzahl weißer Zwerge mit Spektren durch laufende und geplante Durchmusterungen ein Zehnfaches bevor. Ihm zufolge könnte die Zahl grüner weißer Zwerge dadurch von ein oder zwei auf10 bis 20 steigen.
Quellen
Weiße ZwergeAstronomieSternfarbenUniversität WarwickRASTI
Diese Meldung wurde mit KI recherchiert und geschrieben. Fehler gefunden? Schreib uns.