Schaltsekunden fallen weg: Ab 20. Mai 2027 gilt durchgehend die UTC
Der Beschluss
Die Generalkonferenz für Maß und Gewicht (CGPM) hat am Donnerstag in Versailles bei Paris entschieden, dass ab dem 20. Mai 2027 eine fortlaufende Koordinierte Weltzeit (UTC) gilt. Die 28. Generalkonferenz hat das mit Resolution 5 beschlossen; der Beschluss betrifft damit nicht ein einzelnes Land, sondern die weltweit genutzte Zeitnorm. Bis Mai 2027 wird es nach heise-Online-Angaben auch keine weiteren Schaltsekunden geben.
Was sich konkret ändert
Bisher wurden Schaltsekunden eingefügt, um die mit Atomuhren exakt bestimmte UTC mit der auf der Erdrotation beruhenden Universalzeit UT1 zu synchronisieren. Ab einer Differenz von 0,9 Sekunden wurde dem 30. Juni oder 31. Dezember eine Sekunde (23:59:60) hinzugefügt, die Minute hatte dann 61 Sekunden. Beschlossen wurden die Einfügungen vom Internationalen Erdrotations- und Referenzsystemdienst (IERS). Seit 1972 geschah das 27-mal, zuletzt Ende 2016.
Künftig dürfen UTC und UT1 bis zu 3600 Sekunden – also eine ganze Stunde – voneinander abweichen. Erst ab dieser Schwelle soll wieder eine Schaltstunde für Ordnung sorgen. Nach Schätzungen von Experten dürften dafür mehr als 1.000, vielleicht sogar 3.000 Jahre vergehen.
Warum die Entscheidung jetzt fällt
Ungefähr seit Beginn des Jahrzehnts dauert eine Erdrotation im Durchschnitt nicht mehr länger, sondern kürzer als 86.400 Atomsekunden. Damit könnte eine negative Schaltsekunde nötig werden, auf die technische Systeme nicht vorbereitet sind; Fachleute taxierten2025 die Wahrscheinlichkeit dafür bis 2035 auf 30 Prozent. Die CGPM nennt außerdem eine leicht beschleunigte Erdrotation in den vergangenen Jahren und die Sorge der Industrie vor erheblichem technischem Aufwand und Zusatzkosten. Bereits 2022 hatte die 27. Generalkonferenz eine Diskussion darüber angestoßen, wie die zulässige Abweichung spätestens 2035 erhöht werden sollte – ursprünglich war unter anderem an Schaltminuten gedacht.
Ein Argument für eine theoretische Schaltstunde statt echter Schaltminuten: Viele Länder haben Zeitzonen, die mehr als eine Stunde von der wahren Sonnenzeit abweichen, der Trend zu ganzjährigen Sommerzeitzonen verstärkt diese Abweichung weiter.
Was das für Uhren und Technik bedeutet
Der zusätzliche Sekundenwechsel blieb für Menschen meist unbemerkt, sorgte in Computersystemen aber für Störungen. Laut CGPM benötigen kritische Infrastrukturen wie Energieversorgung, Telekommunikation und Verkehr eine konstante Zeit ohne Anpassungen. Dass Systeme die bisherige Praxis unterschiedlich umsetzten, galt als Argument für die Abschaffung: Uhren in GPS-Satelliten ignorieren Schaltsekunden und liegen18 Sekunden vor der UTC, GLONASS übernimmt sie direkt in seine Zeitgeber. Programmierer müssen sich künftig nicht mehr mit Schaltsekundenbefehlen beschäftigen.
Mit der Abschaffung entfernen sich UTC und UT1 nach und nach weiter vorderinander. Die Uhrzeit weicht damit stärker vom Stand der Sonne ab, was laut Spiegel im Alltag noch für lange Zeit bedeutungslos bleiben dürfte. Betroffen sind vor allem Menschen, die mit astronomischer Zeit arbeiten – Astronomen sowie Fachleute für Geodäsie und Vermessung der Erdoberfläche.
Was ist noch unklar
Die Quellen nennen keine Umsetzungsfristen für einzelne Branchen oder Hersteller, keine Vorgaben zum Umgang mit bestehenden Uhren oder Satellitensystemen und keine Details dazu, wie Institute der Vermessung die größere Abweichung künftig berücksichtigen.
Wie es weitergeht
Ab20. Mai 2027 gilt die fortlaufende UTC ohne Schaltsekunden. Die zunächst für spätestens 2035 angestrebte Ausweitung des zulässigen Abweichensfensters fällt damit deutlich früher an.
Quellen
ZeitmessungSchaltsekundeUTCAtomuhrenCGPM
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