Yak X: Unbekannte ausgestorbene Yak-Art in sibirischer Höhle per DNA entdeckt
Unbekannte Yak-Art per DNA identifiziert
Ein internationales Team um den schwedischen Paläogenetiker Love Dalén vom Zentrum für Paläogenetik der Universität Stockholm hat eine bislang unbekannte, ausgestorbene Yak-Art nachgewiesen. Die Untersuchung erschien am Montag, 5. Oktober 2026, in der Fachzeitschrift Current Biology. Grundlage sind DNA-Analysen von Knochenresten aus mehreren Fundstellen im südlichen Sibirien, darunter die Denisova-Höhle im Altai-Gebirge. Die Forscher geben der Tierart vorläufig den Arbeitstitel "Yak X".
20 Genome aus kaum lesbaren Fragmenten
In der Denisova-Höhle, die vor allem durch die Überreste archaischer Menschen bekannt ist, haben sich nach Angaben der Studie mehr als 250.000 Knochenfragmente angesammelt. Rund 95 Prozent davon sind so klein, dass sie mit bloßem Auge nicht zugeordnet werden können. Das Team prüfte daher dutzende unvollständige Knochen und rekonstruierte daraus mindestens 20 Genome. Der Abgleich mit anderen Rindergenomen zeigte: Es handelt sich um eine Art, die in keinem Register stand – und nicht um die erwartete Bison- oder Wisentpopulation, obwohl die meisten Knochen zunächst als Bisonmaterial eingeschätzt worden waren.
Dalén sagte ABC sinngemäß übersetzt, es sei ungewöhnlich, "einen großen unbekannten Säu-tier mittels alter DNA zu finden". Vergleichbare Fälle habe es previously beim sibirischen Pferd von Owodow und bei einer wilden Ziege aus der Türkei gegeben, der eigene Fund sei aber überraschend gewesen, weil man eigentlich die Bison-Evolution untersuchen wollte. "Die DNA hat etwas völlig Unerwartetes zutage gefördert. Das ist einer der unterhaltsamsten Teile der Wissenschaft."
Wie lange die Tierart existierte
Yak X gilt als enger Verwandter der heutigen Yaks aus Himalaja und Tibet, allerdings mit eigenem Zweig. Die Abspaltung von den modernen Yaks datiert das Team auf rund 400.000 Jahre zurück; vollständig getrennt waren die Linien nach Angaben Daléns vor etwa 250.000 Jahren. Das älteste untersuchte Exemplar ist bis zu 247.000 Jahre alt, das jüngste rund 27.000 Jahre. Das Team beschreibt die genetische Distanz als ähnlich groß wie zwischen europäischem und amerikanischem Bison oder zwischen Braun- und Eisbär.
Wie das Tier aussah, bleibt offen
Weil die Fragmente morphologisch unbrauchbar sind, lässt sich das Erscheinungsbild nicht bestimmen. Mitautor Jonas Oppenheimer erklärte ABC sinngemäß übersetzt, der größte Teil der Daten stamme aus winzigen, nicht diagnostischen Knochenstücken, weshalb das Aussehen vorerst schwer zu bestimmen sei. Seine Doktorandin Alexandre Gilardet verweist auf geografische Hinweise: Yak X habe in deutlich geringeren Höhen gelebt als heutige Yaks. Beide untersuchen die Genome bereits auf Hinweise zu Erscheinungsbild und Anpassungen. Zugleich prüfen sie, ob die Art mit einer von russischen Paläontologen beschriebenen, größeren und robusteren Yak-Unterart aus dem Fossilregister der Region übereinstimmt.
Ob Menschen das Tier jagten
An den Knochen finden sich keine Jagdspuren. Dalén hält eine Jagd durch Neandertaler, Denisovaner und moderne Menschen für "ziemlich plausibel", betont aber, dass etwa Hyänen Knochen in die Höhle getragen haben könnten – der Fundort beweist eine Bejagung daher nicht.
Was offen bleibt
Wann die Art ausstarb, ist unbekannt; als mögliche Ursachen nennt das Team Klimawandel, menschlichen Druck und Konkurrenz mit anderen Pflanzenfressern, ohne genügend Belege zur Unterscheidung. Auffällig ist auch, dass keine Hybridisierung mit Steppenbison und Ur aufs belegt ist – nach Dalén überraschend.
Nächster Schritt
Das Team arbeitet bereits an einer weiteren Studie zu den Genen, die Yak X von verwandten Arten unterschieden.
Quellen
PaläogenetikYakDenisova-HöhleAltaiAussterbenCurrent BiologyUniversität Stockholm
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