Thwaites-Gletscher: Studie prognostiziert doppelt so starken Meeresspiegel-Beitrag bis 2100
Was ist passiert
Eine neue Studie von Glaziologen der University of California, Irvine und des NASA Jet Propulsion Laboratory, veröffentlicht im Fachjournal Nature Communications, kommt zu dem Ergebnis, dass der Thwaites-Gletscher in der Westantarktis schneller schmilzt als bisher angenommen. Selbst ohne zusätzliche globale Erwärmung könnte er bis zum Jahr 2100 bis zu 30 Millimeter (1,2 Zoll) zum globalen Meeresspiegel beitragen – etwa doppelt so viel wie bisherige Schätzungen.
Wichtigste Details
Thwaites, Spitzname „Doomsday-Gletscher“, liegt an der Walgreen-Küste von Marie-Byrd-Land im westlichen Teil der Antarktis und bedeckt eine Fläche von rund 192.000 Quadratkilometern – etwa so groß wie Senegal und größer als der US-Bundesstaat Florida. Er ist Teil des Westantarktischen Eisschilds, der 14-mal so groß ist wie Thwaites selbst. Erstmals kartiert wurde der Gletscher 1947, benannt nach dem US-Glaziologen Fredrik T. Thwaites, der ihn nie selbst besuchte.
Der Gletscher trägt derzeit zu rund vier Prozent des weltweiten Meeresspiegelanstiegs bei. Seit dem Jahr 2000 hat er mehr als eine Billion Tonnen Eis verloren und verliert weiterhin jährlich etwa 50 Milliarden Tonnen. Der Haupttreiber ist warmes Ozeanwasser, das den Gletscher von unten schmilzt.
Was ist neu
Bisherige Eisschild-Modelle betrachteten die sogenannte Grundlinie – den Übergang vom aufliegenden Eis zum schwimmenden Schelfeis – als weitgehend fest. Die Forscher entwickelten stattdessen das Konzept einer breiteren „Grundzone“, in der Gezeiten das Eis anheben und senken („Tidal Pumping“) und so warmes Wasser tief unter das Eis dringen lassen. Dadurch schmilzt das Eis „vigorous“, wie Studienleiter Mattia Poinelli, Projekt-Wissenschaftler an der UCLA, sinngemäß übersetzt erklärte.
Dieser Prozess beschleunigt die Loslösung („Unpinning“) des Gletschers vom Mouginot-Rücken, einem unterseeischen Felsrücken, der ihn stabilisiert. Die Studie gibt eine 60-prozentige Wahrscheinlichkeit an, dass Thwaites bis Ende des Jahrhunderts von diesem Rücken losgelöst wird. Danach würde der Gletscher voraussichtlich rasch das abwärts geneigte Bettgestein hinunter in Richtung des nächsten großen Rückens zurückweichen.
Warum relevant, für wen
Thwaites wirkt wie ein Korken, der den riesigen Westantarktischen Eisschild zurückhält. Kollabiert der Gletscher vollständig, könnte er allein den Meeresspiegel um mehr als 60 Zentimeter (2 Fuß) anheben; inklusive des zurückgehaltenen Eisschilds wären es rund drei Meter (10 Fuß). Das würde Küstenstädte von Miami bis Manila treffen.
Ein Anstieg um 30 Millimeter mag gering klingen, doch Eric Rignot, Mitautor der Studie und Professor für Erdsystemwissenschaften an der UC Irvine, sagte sinngemäß übersetzt, die Ergebnisse prognostizierten ein größeres Risiko und eine größere Gefährdung durch Küstenüberschwemmungen als bisher erwartet.
Ted Scambos, leitender Forschungswissenschaftler am Earth Science and Observation Center der University of Colorado Boulder, der nicht an der Studie beteiligt war, bezeichnete die Ergebnisse sinngemäß übersetzt als „möglichen Wendepunkt“ für die Meeresspiegelvorhersage von Thwaites. Robert Larter, Meeresgeophysiker am British Antarctic Survey, warnte jedoch sinngemäß übersetzt, es gebe noch viel über Grundzonen-Prozesse herauszufinden, um zuverlässige Vorhersagen über die Geschwindigkeit des Eisverlusts treffen zu können.
Was ist noch unklar
Die Prozesse in der Grundzone sind komplex und schwer zugänglich; das Umfeld unter Thwaites ist noch komplexer als in der Studie beschrieben. Direkte Beobachtungsdaten von der Grundlinie fehlen bisher. Außerdem ist unklar, wie sich Thwaites nach einer möglichen Loslösung vom Mouginot-Rücken genau verhalten würde.
Wie geht es weiter
Die Wissenschaftler planen, im Jahr 2028 zum Gletscher zu reisen und dort Instrumente einzusetzen, die das Ein- und Ausströmen von Meerwasser dokumentieren. Eine separate Studie des British Antarctic Survey, veröffentlicht im Juli in Geophysical Research Letters, kam zu dem Schluss, dass Thwaites selbst unter den extremsten möglichen Ozeanabkühlungsbedingungen mindestens die nächsten 150 Jahre weiter Eis verlieren wird.
Quellen
- Scientists say Doomsday Glacier melting ‘aggressively’ | CNNClose iconedition.cnn.com
- Thwaites could raise sea level by 30 mm by 2100 — Al Jazeera | UA.NEWSua.news
- Senegal-sized Antarctic glacier melting faster than thought: Why it matters | Climate Crisis News | Al JazeeraplayShow navigation menuplaysearchListenshare-nodealjazeera.com
Thwaites-GletscherMeeresspiegelAntarktisKlimawandelNature CommunicationsGlaziologie
Diese Meldung wurde mit KI recherchiert und geschrieben. Fehler gefunden? Schreib uns.