WissenschaftThwaites-Beitrag zur Flut verdoppelt

Thwaites-Gletscher: Meeresspiegel-Beitrag bis 2100 doppelt so hoch wie zuvor berechnet

Ein neu kalibriertes Eismodell aus den USA verdoppelt den erwarteten Beitrag des "Doomsday-Gletschers" zur Flut. Ein Rückgrat unter dem Eis könnte bereits ab 2038 nachgeben.

anltx Redaktion3 min Lesezeit Mit KI erstellt

Was passiert ist

Der westantarktische Thwaites-Gletscher – international bekannt als "Doomsday Glacier" – trägt deutlich schneller zum Anstieg des Meeresspiegels bei, als es die bisherigen Modellrechnungen ergaben. Das Ergebnis stammt von Glaziologen der University of California, Irvine und des NASA-Jet-Propulsion-Laboratoriums und ist laut CNN am Montag in der Fachzeitschrift Nature Communications erschienen. Berichtet wird darüber seit dem 15. Oktober 2026.

Der Gletscher trägt heute rund vier Prozent des weltweiten Meeresspiegelanstiegs bei. Laut Nature Communications entspricht das in ihm enthaltene Wasser65 Zentimetern Anstieg; CNN nennt "mehr als zwei Fuß", GB News dieselbe Größenordnung. Da Thwaites zugleich wie ein Pfropfen den größeren antarktischen Eisschild zurückhält, nennen die Quellen als mögliche Folge eines vollständigen Zerfalls bis zu rund zehn Fuß – nach CNN eine Gefahr für Küstengebiete "von Miami bis Manila".

Die wichtigsten Zahlen

  • Bis zu 30 ± 6 Millimeter Anstieg des globalen Mittlermeerspiegels bis 2100 – laut den Autoren etwa das Doppelte früherer Projektionen, und zwar ohne weitere Erwärmung.
  • Die CNN fasst das als "bis zu 1,2 Zoll" zusammen.
  • Das Eis ist so groß wie Florida (CNN) beziehungsweise Großbritannien (GB News).

Warum das Modell andere Ergebnisse liefert

Entscheidend ist, wie die Grenze zwischen festem Eis und schwimmendem Schelf behandelt wird. Bisherige Modelle betrachteten diese "Grounding Line" als scharfe, weitgehend feste Linie. Satellitenbeobachtungen – unter anderem vom US-Finnischen SAR-Konstellation ICEYE – zeigen dagegen eine mehrere Kilometer breite "Grounding Zone" (in der Studie 2 bis 5 Kilometer), in die bei den Gezeiten Wasser ein- und ausströmt. Dieses "Tidal Pumping" transportiert relativ warmes Wasser tief unter das Eis und löst dort starkes Schmelzen aus.

Erst mit dieser Physik reproduziert das kalibrierte Modell die seit 1996 beobachtete Rückzugs-, Dünnungs- und Beschleunigungsgeschichte des Gletschers. Entscheidend ist zudem ein unterseeischer Rücken, die Mouginot Ridge: Nach Modellrechnung beschleunigt das Schmelzen an der Grounding Zone deren "Entnadelung". Die Studie nennt 2038 als frühestmöglichen Zeitpunkt, CNN und GB News beziffern die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Loslösung bis Ende des Jahrhunderts auf 60 Prozent.

Warum das relevant ist

Eric Rignot von der UC Irvine, Mitautor der Studie, sagte sinngemäß übersetzt, die Ergebnisse sagten ein "größeres Risiko und eine höhere Exposition gegenüber Küstenüberflutungen" voraus als bislang angenommen. Ted Scambos von der University of Colorado Boulder, der nicht an der Studie beteiligt war, bezeichnete die Arbeit als einen "echten Wendepunkt" für die Vorhersage des Meeresspiegels. Für Küstenregionen wie Manila heißt das: Der lokale Anstieg selbst wird in den Quellen nicht beziffert.

Was ist noch unklar

Für deutsche oder österreichische Küsten nennen die Quellen keine Zahlen, Prognosen oder Anpassungsfragen – dazu lässt sich daraus nichts ableiten. Kritisch äußert sich Robert Larter vom British Antarctic Survey: Es fehle weiterhin an Kenntnis der Vorgänge in der Grounding Zone, um die Geschwindigkeit des Eisverlusts verlässlich vorherzusagen; die Umgebung unter dem Gletscher sei noch komplexer als in der Arbeit beschrieben.

Wie es weitergeht

Die Forschungsgruppe will2028 zum Thwaites-Gletscher aufbrechen und Instrumente ausbringen, die das Ein- und Ausströmen von Meerwasser direkt messen. Nach Rignot ist dies der nächste Schritt, um Beobachtungsdaten von der Grounding Line zu gewinnen.

Quellen

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