Schaltsekunde fällt: Ab Mai 2027 läuft die Weltzeit durch
Was beschlossen wurde
Die Generalkonferenz für Maß und Gewicht (CGPM) hat bei einer Konferenz in Versailles bei Paris entschieden, dass ab dem 20. Mai 2027 eine fortlaufende Koordinierte Weltzeit (UTC) gelten soll. Damit entfällt die Schaltsekunde, die bisher in unregelmäßigen Abständen eingefügt wurde, um die Uhrzeit an die Erdrotation anzupassen. Grundsätzlich war der Ausstieg bereits 2022 beschlossen; nun steht ein verbindliches Datum fest.
Wie die Zeitmessung bisher funktioniert
Die Zeitmessung beruht auf zwei verschiedenen Grundlagen. Die UTC basiert auf den Messungen von Atomuhren und läuft konstant. Die astronomische Zeit (UT1, auch Universalzeit genannt) wird durch die Rotation der Erde bestimmt und schwankt geringfügig – unter anderem durch jahreszeitliche Effekte oder kurzfristige Veränderungen der Erdrotation.
Um beide Zeitskalen möglichst gleich zu halten, galt bisher die Regel, dass UTC und UT1 maximal 0,9 Sekunden voneinander abweichen dürfen. Näherte sich die Differenz diesem Wert, entschied der Internationale Erdrotations- und Referenzsystemdienst (IERS) über die Einfügung einer Schaltsekunde. Diese wurde jeweils am Ende des 30. Juni oder des 31. Dezember eingeschoben; die betreffende Minute dauerte dann 61 statt der üblichen 60 Sekunden. Seit der Einführung des Verfahrens im Jahr 1972 geschah dies 27-mal, zuletzt Ende 2016.
Warum die Schaltsekunde jetzt abgeschafft wird
Für die meisten Menschen bleibt eine Schaltsekunde unbemerkt. In Computersystemen kann sie jedoch Störungen verursachen. Auch kritische Infrastrukturen wie Energieversorgung, Telekommunikation oder Verkehr sind auf eine möglichst konstante und weltweit einheitliche Zeit angewiesen.
Ausschlaggebend für den früheren Beschluss war zudem die Gefahr einer Minus-Schaltsekunde. Über sehr lange Zeiträume wird die Erdrotation durch die Gezeitenkräfte von Mond und Sonne gebremst. In den vergangenen Jahren wurden jedoch Phasen beobachtet, in denen sich die Erde zeitweise schneller drehte als erwartet. Dadurch bestand erstmals die Möglichkeit, dass zum Ausgleich eine Sekunde abgezogen werden müsste, anstatt eine hinzuzufügen. Eine solche Minus-Schaltsekunde hat es bislang noch nie gegeben. Ob sie in allen technischen Systemen problemlos umgesetzt werden könnte, war unklar. Die Industrie befürchtete erhebliche technische Vorbereitungen und zusätzliche Kosten.
Was sich ab Mai 2027 ändert
Künftig soll die Koordinierte Weltzeit nach Entscheidung der CGPM bis zu 3600 Sekunden – und damit eine ganze Stunde – von der astronomischen Zeit abweichen dürfen. Die Fachleute hoffen, dass die Zeiterfassung so für mehrere Jahrhunderte nicht angepasst werden muss.
Mit dem Aus für die Schaltsekunde entfernen sich UTC und UT1 nach und nach weiter voneinander. Die Uhrzeit wird damit langfristig stärker vom Stand der Sonne am Himmel abweichen. Im Alltag hat dies zunächst kaum spürbare Folgen; schon heute entspricht die gesetzliche Uhrzeit nicht exakt der örtlichen Sonnenzeit – Gründe dafür sind unter anderem die Ausdehnung der Zeitzonen, die geografische Lage eines Ortes und die Sommerzeit.
Praktische Auswirkungen hat die Änderung vor allem für Menschen, die mit der astronomischen Zeit arbeiten – etwa in der Astronomie oder der Geodäsie, der Vermessung der Erde.
Was ist noch unklar?
Ob und wann die erlaubte Abweichung von bis zu einer Stunde tatsächlich erreicht sein wird, lässt den Quellen nicht erkennen. Auch konkrete technische Details zur Umstellung einzelner Systeme werden nicht genannt.
Quellen
UTCSchaltsekundeZeitmessungCGPMAtomuhrErdrotation
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