NASA schickt erstmals Mini-Organe zur ISS – was Raumfahrt mit dem Altern macht
Erstmals Gewebemodelle menschlicher Organe im Orbit
Die NASA hat erstmals Mini-Organe in den Weltraum geschickt. Die aus Stammzellen im Labor kultivierten Gewebemodelle starteten am Dienstagmorgen an Bord der kommerziellen Versorgungsmission CRS-35 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida. Ihre Ankunft an der Internationalen Raumstation ist für Donnerstag vorgesehen.
Die Versuche entstehen in Zusammenarbeit von Forschenden am Mount Sinai, der NASA und dem Luftfahrtunternehmen Space Tango. Nach Angaben der Quelle soll damit verstanden werden, wie Raumflüge den Organismus beeinflussen und das Altern beschleunigen.
Strahlung und Schwerelosigkeit als Bedingungen
Die Mini-Organe werden der erhöhten Strahlung und der Mikrogravitation ausgesetzt – also genau den Bedingungen, denen Astronauten während längerer Missionen begegnen. Welche Strahlungsdosis, welcher Aufenthaltsdauer und welche Gewebetypen im Einzelnen geprüft werden, nennt die Quelle nicht.
Sechs Monate im All, Jahrzehnte auf der Erde
Der eigentliche Nutzen liegt in der Zeitraffung: Kevin Costa, außerplanmäßiger Professor für Chirurgie, erläutert im Gespräch mit ABC News sinngemäß übersetzt: „Sechs Monate im Raum entsprechen etwa 10 bis 20 Jahren Alterung auf der Erde.“
Damit lässt sich Alterungsprozesse in einemBruchteil der Zeit nachstellen – sagt die Quelle –, um Krankheiten besser zu verstehen und Behandlungen zu entwickeln.
Ein Modell für die Alternsforschung auf der Erde
David Sachs, außerplanmäßiger Professor für Chirurgie an der Icahn School of Medicine am Mount Sinai, betont die praktische Seite: Wenn Menschen im Raum leben und arbeiten sollen, müsse man verstehen, was mit ihnen geschieht (sinngemäß übersetzt). Er ergänzt, das System sei zugleich ein interesting Modell für beschleunigtes Alter in der irdischen Bevölkerung.
Ausgangspunkt für Forschung über den Erdorbit hinaus
Lisa Carnell, Direktorin der Abteilung für biologische und physikalische Wissenschaften der NASA, bezeichnete die Experimente gegenüber ABC News als Ausgangspunkt für künftige Forschung jenseits der erdnahen Umlaufbahn – Richtung Mond und darüber hinaus.
Wie es weitergeht
Die NASA sieht laut Quelle im Jahr 2028 eine erneute Landung von Astronauten auf dem Mond vor und will im kommenden Jahrzehnt dort eine dauerhafte Basis errichten. Welche Ergebnisse die ISS-Versuche liefern werden und wann, ist nicht genannt.
Was ist noch unklar
Neben den fehlenden Versuchsdetails bleibt offen, wie die Gewebemodelle im Orbit überwacht werden und welche Messgrößen erhoben werden. Da die Modelle erst am Dienstag gestartet sind, konnten bislang keine Resultate vorliegen. Für Deutschland nennen die Quellen weder eine Beteiligung noch spätere Verfügbarkeiten.
Quellen
NASAISSCRS-35GewebezüchtungAlternMikrogravitationWeltraumforschung
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