WissenschaftKombination bremst Tumoren im Mausmodell

Mebendazol plus Gefitinib verlangsamt Tumoren bei resistivem Lungenkrebs im Mausmodell

Eine Laborstudie kombiniert das Wurmkurmittel Mebendazol mit dem EGFR-Hemmer Gefitinib. Bei resistiven Lungentumorzellen und in Mäusen bremste die Kombination das Wachstum deutlich – Tumore verschwanden jedoch nicht.

anltx Redaktion3 min Lesezeit Mit KI erstellt

Was die Studie zeigt

Ein Wurmkurmittel kann bei bereits resistivem Lungenkrebs helfen – zumindest im Labor. Eine in PLOS ONE veröffentlichte Arbeit kombinierte den Wirkstoff Mebendazol mit dem gezielten Krebsmedikament Gefitinib und testete die Kombination an Kulturen resistenter Tumorzellen sowie an Mäusen. Das Team um die Pharmakologin Shakta Mani Satyam von der RAK Medical and Health Sciences University in den Vereinigten Arabischen Emiraten untersuchte ein Modell von EGFR-mutiertem, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs, dessen Zellen auf Gefitinib nicht mehr ansprachen.

ScienceAlert fasst den Ansatz in der Überschrift als „günstige Wurmpille“ zusammen – einen Preis nennen die Quellen nicht.

Die Messwerte im Detail

Im Zellversuch nach 72 Stunden lag die Überlebensrate der resistiven Zellen bei Gefitinib allein bei rund 93 Prozent der unbehandelten Kontrollgruppe. Eine niedrige Dosis Mebendazol allein senkte sie auf etwa 80 Prozent. Die Kombination beider Mittel brachte den Wert auf rund 38 Prozent. Eine fünfmal höhere Mebendazol-Dosis allein erreichte etwa 30 Prozent, die Kombination mit der niedrigen Dosis schnitt vergleichbar ab. In den Tests wurde außerdem DNA-Schaden nachgewiesen, einschließlich Brüche in einem oder beiden Strängen. Die Forscher deuten das als Hinweis auf stärkeren Stress beim Kopieren der DNA.

Im 40-tägigen Versuch mit acht Mäusen pro Gruppe betrug die mediane Zeit, bis ein Tumor seine Größe verdoppelt hatte, ohne Behandlung 6,2 Tage. Mit Mebendazol allein waren es 10,3 Tage, mit Gefitinib allein 15,5 Tage, mit der Kombination 25 Tage. Die Tumoren wurden also nicht abgetötet, ihr Wachstum aber deutlich verlangsamt.

Warum das relevant ist

„Die aufregende Botschaft ist, dass Arzneimittelresistenz Krebszellen nicht unverwundbar machen muss, sondern ihnen Schwachstellen geben kann, die wir angreifen können“, sagte Satyam. Mebendazol stört winzige Zellstrukturen, die für die Teilung und den Transport von Material zuständig sind. Die Idee des Teams: Gefitinib blockiert das Wachstumssignal, Mebendazol greift die innere Zellmaschinerie an und erhöht den Stress bei der DNA-Vervielfältigung – also ein Angriff aus zwei Richtungen.

Für Patienten und Behandelnde ist das vor allem unter Kosten- und Zugangsgesichtspunkten interessant, sofern sich das in Menschen bestätigt. Noch gilt das nur für ein einziges Tumormodell.

Was ist neu und was unklar bleibt

Die Studie kann nicht klären, ob Mebendazol die Resistenz gegenüber Gefitinib wirklich aufhebt oder ob es lediglich zusätzlichen Schaden anrichtet. Die Autoren quantifizierten keine formelle Arzneimittel-Synergie und verfolgten das Versagen der DNA-Kopiermaschinerie nicht direkt. „Wir sind ermutigt von den Ergebnissen, aber weitere präklinische Validierung sowie eine sorgfältige Bewertung der Arzneistoffexposition und Sicherheit müssen jeder Aussage über das klinische Potenzial vorausgehen“, sagte Satyam (sinngemäß übersetzt).

Die Aufnahme von Mebendazol nach oraler Einnahme schwankt, Dosierung und Wirkstoffkonzentration im Tumor sind daher ungeklärt. Dass die Mäuse keine anhaltende Gewichtsabnahme zeigten, sagt nichts über die Sicherheit beim Menschen aus; Organsysteme, gesundes Gewebe, Langzeiteinnahme und Wechselwirkungen sind ungeprüft. Zu Mexiko, dem Trend-Land, enthalten die Quellen keine Angaben.

Wie es weitergeht

Die Forschenden nennen als nächste Schritte Tests an weiteren resistiven Zelllinien, an Tumormodellen aus Patientenmaterial sowie die Untersuchung von Resistenz gegen das neuere EGFR-Mittel Osimertinib.

Quellen

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