WissenschaftKutryk im Orbit: Kanadas ISS-Halbzeit

Joshua Kutryk auf der ISS: Sechs Monate im Orbit als Wegweiser für Kanadas Weltraumprogramm

Seit dem 1. Oktober ist Joshua Kutryk auf der ISS. Im ersten Pressengespräch aus dem All sprach er über Forschung, Gesundheit im Orbit – und darüber, was Kanada damit gewinnt.

anltx Redaktion3 min Lesezeit Mit KI erstellt

Was passiert ist

Der kanadische Astronaut Joshua Kutryk hat am Dienstag, dem 13. Oktober, seine erste Fragenkontrolle mit Journalistinnen und Journalisten aus dem All beantwortet – per Videoleitung von der Internationalen Raumstation, während der Station über Kanada flog. Er sei dabei, so seine sinngemäß übersetzte Formulierung, "ziemlich Spaß" habend. Die zugehörige Pressekonferenz fand in Longueuil im kanadischen Quebec statt.

Gestartet war Kutryk am 1. Oktober 2026 als Teil der NASA-Crew 13. Der Anflug auf die Station war nach Angaben der Quellen der schnellste bisher – knapp unter acht Stunden. Der 44-Jährige ist Missionsspezialist in einer vierköpfigen Besatzung, zu der die NASA-Kommandantin Jessica Watkins, der NASA-Pilot Luke Delaney und der Roskosmos-Kosmonaut Sergey Teteryatnikov gehören. Es ist sein erster Aufenthalt im Weltraum.

Forschung im Mittelpunkt

Kutryk hat die wissenschaftlichen Arbeiten bereits begonnen. Bei seiner Pressekonferenz trug er Ausrüstung für das Projekt AstroFit, das seine Gesundheitsdaten erfasst und Wege suchen soll, Menschen längere Zeit im Raum zu halten. Ein kanadisches Experiment namens T-Bone steht in den kommenden Monaten vor dem Abschluss; es nutzt 3D-Technik, um Veränderungen der Knochen von Astronautinnen und Astronauten zu untersuchen. Hinzu kommen laut den Quellen ein Experiment zur psychischen Gesundheit sowie eines zur Überwachung der Vitalwerte.

Mehrere kanadische Experimente an Bord beschäftigen sich generell mit der Gesundheit im Orbit. Dass dieses Thema drängt, zeigt Kutryks eigener Bericht, er habe seit seiner Ankunft fünf Pfund abgenommen. Neben der Forschung stehen laut der zweiten Quelle kritische Wartungsarbeiten auf dem Programm.

Was neu ist

Auf dem Weg zur Station sah er Nordlichter undduring des Gesprächs zog die ISS über Vancouver, Quebec stand unmittelbar bevor. Vor allem aber kehrt Kanada nach dem Artemis-II-Flug vom April zurück in den Orbit: Jeremy Hansen war damals Teil des ersten Mondumflugs seit mehr als 50 Jahren, eines zehntägigen Fluges, bei dem die Besatzung weiter von der Erde entfernt war als zuvor jemand. An die ISS geht es nun für ein halbes Jahr statt für zehn Tage.

Warum das für Kanada zählt

Kutryk selbst sieht seine Mission als Signal nach Hause. "Es ist wichtig, dass Kanada hier ist", sinngemäß übersetzt, und er hofft, die Menschen sähen darin einen Beleg dafür, was das Land könne. Entscheidend sei, dass Industrie, Wissenschaft und kommerzielle Akteure Kanadas gemeinsam an der Spitze des Raumflugs teilhaben – "so entstehen Innovationen, so entwickeln wir neue Technologien", sinngemäß übersetzt.

Für Menschen in Deutschland oder Österreich ist die Mission vor allem über die Forschung interessant: Die Studien zu Knochenabbau, Ernährung, Bewegung und psychischer Gesundheit unter Mikrogravitation betreffen Grundlagen, die auch für geplante Langzeitmissionen anderer Raumfahrtstaaten gelten. Eine Beteiligung europäischer oder deutscher Einrichtungen nennen die Quellen nicht.

Was ist noch unklar

Konkret zum Umfang des Experimentsprogramms, zur Zahl der kanadischen Versuche an Bord oder zum voraussichtlichen Rückkehrtermin machen die Quellen keine Angaben. Auch Kosten sind nicht genannt, und welche Firmen oder Hochschulen konkret beteiligt sind, bleibt offen.

Wie es weitergeht

Die Mission ist auf sechs Monate angelegt. In den nächsten Monaten soll das T-Bone-Experiment abgeschlossen werden, die Wartungsarbeiten laufen weiter, und Kutryk will weiter aus dem Orbit über Kanada berichten.

Quellen

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