Invictibellatrix: erster Megaraptoren-Fund in Europa aus einer Museums-Schublade
Ein übersehener Schädel wird zur neuen Art
Ein seit Jahrzehnten unbeachtetes Fossil von der englischen Insel Wight ist als neue Dinosaurierart beschrieben worden. Die Arbeit von Dr Cassius Morrison (UCL Earth Sciences), Charlie Scherer und weiteren Autorinnen und Autoren ist in den Royal Society Open Science erschienen. Das Tier heißt Invictibellatrix amberina – der Gattungsname bedeutet „unbesiegte weibliche Kriegerin", das Artepitheton verweist auf Bernstein aus den Gesteinsschichten, in denen der Fund lag.
Was das Fossil ist
Untersucht wurde ein Abschnitt vom Hinterhaupt eines Schädels. Der Amateurpaläontologe Reginald Walter Tooley fand das Stück am Fuß einer Klipfe an der Südwestküste der Insel; das Natural History Museum erwarb es 1924. Es gehörte zu mehr als 1.000 Fundstücken, die das Museum nach Tooleys Tod übernahm, und blieb nach Darstellung des Teams nahezu 100 Jahre lang unbearbeitet in der Sammlung.
Mit einem CT-Scan erstellten die Forschenden ein dreidimensionales Modell des Schädels und seines Inneren, also des Gehirns. Anschließend verglichen sie es mit Schädeln und Hirnhöhlen von Tyrannosauriern, Spinosauriern, Raptoren und anderen zweibeinigen Fleischfressern.
Warum es eine neue Art ist
Entscheidend war eine Kombination von Merkmalen, darunter eine ovale Öffnung, durch die das Rückenmark in das Gehirn trat, und ein sanduhrförmiger Kamm. Computerverfahren, die die Schädelmerkmale mit anderen Arten abglichen, ordneten das Exemplar durchgängig den Megaraptoriden zu.
Die Tiere erreichten manche Arten gewaltige Größen, Invictibellatrix gehört jedoch zu den kleinsten und ältesten bekannten Vertretern. Sie lebte auf der Insel in der Unterkreide vor rund 120 Millionen Jahren in einer Jahreszeitenwechselnden Überschwemmungsebene, zusammen mit langhalsigen Rebbachisauriden, Verwandten von Iguanodon und einem Spinosaurier.
Europas Bedeutung
Megaraptoren gelten als die rätselhafteste Gruppe der großen Fleischfresser, weil von ihnen bislang kaum Funde vorliegen. Sie sind eng mit Tyrannosaurus rex verwandt, hatten aber schmale Köpfe und griffen mit großen Armen und gebogenen Krallen statt mit dem Kiefer. Nach Modellierungen der Verbreitungsgeschichte erreichten sie Europa über Asien und Gondwana, den Südkontinentalverband aus Afrika, Südamerika und Antarktis. Bislang fehlte dafür der fossile Beleg in Europa – Invictibellatrix liefert ihn nun.
Nach Einschätzung des Teams wäre das Tier drei bis vier Meter lang und gut anderthalb Meter hoch geworden, hätte vermutlich Federn getragen und Krallen von 10 bis 20 Zentimetern. Es jagte kleine Dinosaurier, Eidechsen und Säugetiere und took damit eine Rolle wie heute eine Hyäne ein.
Was ist noch unklar
Weder die beiden Quellen nennen das Veröffentlichungsdatum der Studie, noch ist bislang ein Museumsschauplatz angekündigt. Warum die Megaraptoren im Norden verschwanden, bleibt unbeantwortet; die Arbeitsgruppe vermutet Klima- oder Umweltveränderungen oder konkurrierende Tyrannosaurier. Und ob auf der Insel noch mehr unrecognized liegt, ist offen – Tooley hatte nach Angaben des Teams zahlreiche weitere Knochen gesammelt.
Quellen
PaläontologieMegaraptorenInvictibellatrixIsle of WightNatural History MuseumKreidezeit
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