Feuer in der Antarktis: Die südlichsten je dokumentierten Waldbrände
Ein Bohrkern aus dem Meeresboden
Ein Team des Alfred Wegener Institute in Bremerhaven hat einen 30 Meter langen Sedimentkern aus dem Meeresboden vor der Westantarktis untersucht. Die Auswertung von 2020 förderte Pollen und fossile Wurzeln zutage, die auf rund 90 Millionen Jahre datieren – also in die Kreidezeit. Der Fund galt als Nachweis des südlichsten je gefundenen Regenwaldes. Eine Eiskappe gab es damals noch nicht; sie bildete sich den Angaben der Forscher zufolge erst vor 34 Millionen Jahren, ausgelöst durch globale Abkühlung und die tektonisch bedingte Hebung der Gebirgsketten.
Für die Analyse wurde das Sediment mit Säuren behandelt, um alles Nicht-Organische aufzulösen. Übrig blieben Pflanzenreste – und kleine Kohlestückchen, die vorerst zurückgelegt wurden.
Drei Hinweise auf Feuer
Die späteren Untersuchungen dieser Reste bestätigten ihren Charakter: verbranntes Pflanzenmaterial. Hinzu kamen chemische Rückstände, die typisch für verbrannte Vegetation sind, sowie Bernstein, jene Baumharzsubstanz, mit der Bäume Schäden reparieren – auch solche durch Feuer. Dieforscher konnten zusätzlich bestimmen, dass es sich um oberflächliche, niedrig temperierte Brände handelte. Nach Angaben des Alfred Wegener Institute, veröffentlicht in "Nature Communications Earth and Environment", sind dies die südlichsten jemals dokumentierten Waldbrände.
Der Brand veränderte die Landschaft
Die Sedimentschichten von unten nach oben erzählen einen Übergang: In der unteren Probe dominiert ein gemäßigter Regenwald aus Nadelbäumen, weiter oben nehmen Farne und das Torfmoos (Sphagnum) zu. Parallel stieg die Häufigkeit der Brände. Das Feuer räumte die Vegetation ab – ohne Wurzeln, die Wasser aus dem Boden aufnahmen, konnte sich dieses stauen, und Moore entstanden. Moore binden große Mengen Kohlenstoff. Ein Vergleich der Sphagnum-Sporen aus der Kreizeit-Antarktis mit Funden aus Schottland, die jünger als 10.000 Jahre sind, ergab laut Studie mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede.
Übertragbarkeit auf die Gegenwart
Ein weiterer Beitrag ordnet den Befund klimatisch ein: In warmen Erdzeitaltern lag der Meeresspiegel teils um mehrere Dutzend Meter höher, was heutige Küstenstädte unter Druck setzen würde. Entscheidend sei dabei die Geschwindigkeit – geologische Klimawechsel dauerten Tausende bis Millionen Jahre, die aktuelle Erwärmung dagegen Jahrzehnte. Und Moore arbeiten nur, solange sie Wasser halten: Trockenheit führt dazu, dass Sauerstoff in den Boden gelangt, die Torfzersetzung einsetzt und gespeicherter Kohlenstoff als CO2 in die Atmosphäre gelangt.
Was noch unklar ist
Die Quellen widersprechen sich bei der Lage des Bohrlochs: Focus.it nennt rund 900 Kilometer Entfernung zum Südpol, Geopop 90 Kilometer. Ebenfalls offen bleibt, wie groß, wie häufig und wie lange die Brände waren – dazu liefern beide Berichte keine Zahlen. Auch zur Menge des freigesetzten CO2 und zu möglichen Gegenmaßnahmen nennen die Quellen keine Angaben.
Quellen
AntarktisKreidezeitWaldbrändeTorfmooreAlfred Wegener InstitutPaläoklimaMeeresspiegel
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