El Niño auf Rekordkurs: WMO sieht stärkste Pazifik-Erwärmung seit Messbeginn
WMO: El Niño verstärkt sich weiter
Die Weltmeteorologieorganisation (WMO) hat am 8. Oktober 2026 in Genf ihren monatlichen Saisonbericht zum Weltklima veröffentlicht. Danach sollen die Meeresoberflächentemperaturen im zentralen und östlichen tropischen Pazifik in den Monaten Oktober bis Dezember 2026 Werte ohne Präzedenzfall erreichen. Treiber ist ein El Niño, der sich nach Einschätzung der Organisation weiter verstärkt und im Dezember seinen Höhepunkt erreichen soll. Auswirkungen auf Wetter, Ökosysteme und Volkswirtschaften weltweit werden erwartet.
Der Index Niño 3.4 nähert sich dem Vorjahresrekord
Als gebräuchlichste Messgröße gilt der Index Niño 3.4. Die Anomalie der Meeresoberflächentemperatur stieg laut WMO von durchschnittlich 1,6 °C über dem Normalwert im Juni 2026 auf 2,5 °C im August. Für Oktober bis Dezember wird eine mittlere Anomalie von rund +3,7 °C erwartet, mit dem Höhepunkt um Dezember – der höchste Wert seit Beginn der Beobachtungen und über dem bisherigen Rekord von +2,6 °C zwischen November 2015 und Januar 2016.
Generalsekretärin Celeste Saulo erklärte im Wärmeforum in Bangkok, der El Niño-Ereignis bestehe eine praktisch hundertprozentige Wahrscheinlichkeit bis Februar 2027 fort und könne eines der intensivsten seit mindestens 1950 sein (sinngemäß übersetzt). Diese Einschätzung ist kein Ergebnis eines einzelnen Modells, sondern eine Meinung, die auf den Ergebnissen von 13 nationalen und internationalen Zentren beruht, deren Daten über Bojen, Satelliten und Radiosonden laufend ausgetauscht werden. Saulo ergänzte, El Niño füge dem Planeten keine zusätzliche Wärme zu, sondern gebe gespeicherte Wärme frei – weshalb intensive Jahre oft zu den wärmsten zählen, wie 2024.
Ergänzend erwartet die WMO eine positive Phase des Indischen Ozean-Dipols mit Höhepunkt im Oktober und anschließendem Rückgang, für Oktober bis Dezember eine Anomalie um +0,5 °C, sowie weiterhin überdurchschnittliche Wassertemperaturen im äquatorialen Atlantik. Der Indische Ozean-Dipol beeinflusst laut Bericht die Niederschläge im gesamten Indik. Der für Europa naheliegende Bezugspunkt in den Quellen: Der EU-Dienst Copernicus meldete für September mit 29,7 °C einen Höchststand der Meeresoberflächentemperatur im Pazifik, die japanische Wetterbehörde sprach von der stärksten Intensität ihrer Aufzeichnungen. Über die Bezeichnung "Super El Niño" hinaus sprechen Fachleute von einem "sehr starken" Ereignis.
Sichtbare Folgen in mehreren Ländern
Ein Überblick vom 13. Oktober 2026 nennt konkrete Folgen: In Indonesien brennen seit Monaten Wälder und Plantagen auf Borneo und Sumatra, der Rauch verursacht eine dichte Dunstglocke. Malaysia schloss in mehreren Gebieten Schulen, darunter Kuala Lumpur, Singapur senkte die Kosten für Atemwegserkrankungen. Im brasilianischen Bundesstaat Amazonas legten3.726 Brände im September mehr als das Vierfache des Vorjahresmonats zu, weshalb Manaus die Schulen schloss. In Myanmar warnten die Behörden vor Stromausfällen und ungewöhnlicher Hitze, in den Philippinen bereitet sich die Regierung auf höhere Stromnachfrage und mögliche Einbußen bei der Wasserkraft vor. In El Salvador hat die Dürre nach Angaben des Verbands der Viehzüchter 60 Prozent des Rinderhalters getroffen. Das UNDP warnte vor einer Kombination aus hohen Schulden, gestiegenen Energiepreisen und El Niño. IWF-Chefin Kristalina Georgieva erklärte der Nachrichtenagentur AFP, man bereite sich vor, verletzliche Länder zu unterstützen (sinngemäß übersetzt).
Chile: El Niño ist keine Erdbebenursache
In Chile taucht wiederholt die Frage auf, ob eine Serie von Beben mit El Niño zusammenhängt. Nach den Angaben des chilenischen Katastrophenschutzes Senapred ist El Niño Teil des Klimamusters ENSO und kann im Landesinneren mehr Niederschlag und höhere Wintertemperaturen begünstigen, im Altiplano im Sommer dagegen Wasserdefizite. Für einen Zusammenhang mit Erdbeben gebe es jedoch keine belastbaren Belege: Die Beben gehen auf die Subduktion der Nazca-Platte unter die Südamerikanische Platte zurück. Der US-Geologische Dienst weist zudem darauf hin, dass es keine wissenschaftlich validierte Methode zur Vorhersage eines konkreten Bebens mit Datum, Ort und Magnitude gibt.
Was für Europa offen bleibt
Keine der ausgewerteten Quellen enthält eine Prognose für Europa, Deutschland oder Österreich – weder Temperaturen noch Niederschläge. Auch das als Trend-Land genannte Neuseeland wird in den Quellen nicht behandelt. Ebenso fehlen Angaben zu Auswirkungen auf Energiepreise oder Stromerzeugung in europäischen Ländern.
Wie es weitergeht
Nach WMO-Angaben nimmt die Verstärkung bis zum erwarteten Höhepunkt im Dezember weiter zu. Die Organisation veröffentlicht den Saisonbericht monatlich und ergänzend vierteljährlich das Bulletin "El Niño/La Niña heute".
Quellen
El NiñoENSOWMOKlimawandelWetterCopernicus
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