HardwareTV-Technik Geschichte

30 Jahre Digitalfernsehen: Vom teuren Flop zum unsichtbaren Standard

Im Juli 1996 startete digitales Fernsehen in Deutschland – mit 900 Mark für die Set-Top-Box und kaum sichtbarem Nutzen. Heute ist die Technik in jedem Smart-TV selbstverständlich. Wie DVB-Standards den Empfang veränderten und was DVB-I als Nächstes bringt.

anltx Redaktion3 min Lesezeit Mit KI erstellt

Start mit hoher Hürde

Als digitales Fernsehen im Juli 1996 in Deutschland an den Start ging, versprachen Anbieter mehr Programme, besseren Ton und höhere Bildqualität. Mit DF1 ging das erste digitale Pay-TV-Angebot auf Sendung, hinter dem Medienunternehmer Leo Kirch stand. Doch der Durchbruch blieb aus: Der Empfang erforderte eine Set-Top-Box, die d-box von Nokia, die knapp 900 D-Mark kostete – für viele Haushalte zu teuer. Auf den damals üblichen kleinen Röhrenfernsehern waren Qualitätsunterschiede zum analogen Signal kaum erkennbar.

Scheitern und Konsolidierung

DF1 schrieb Verluste und blieb hinter den Erwartungen zurück. 1999 fusionierte die Plattform mit Premiere zu Premiere World, aus dem später Sky hervorging. Auch die öffentlich-rechtlichen Sender standen vor gewaltigen Aufgaben: Die gesamte Produktions- und Sendekette musste digitalisiert werden, parallel sollte das Publikum überzeugt werden. Erst als größere, günstigere Flachbildschirme aufkamen, wurde der Qualitätsvorteil sichtbar und der Einstiegspreis sank.

DVB-Standards strukturieren den Markt

Die Abkürzung DVB (Digital Video Broadcasting) fasst eine Familie von Standards für verschiedene Übertragungswege zusammen: DVB-S für Satellit, DVB-C für Kabel, DVB-T für terrestrische Antenne und später DVB-T2 als Weiterentwicklung. Der entscheidende Vorteil lag in der effizienteren Nutzung der Übertragungskapazität: Digitale Signale lassen sich komprimieren, sodass auf einem Kanal mehrere Programme Platz finden. Dadurch entstanden größere Programmbouquets und Spartenangebote für Nachrichten, Sport, Musik und Spezialinteressen.

Terrestrischer Umstieg als sichtbarer Einschnitt

Besonders radikal verlief der Wechsel beim Antennenfernsehen. DVB-T startete am 1. November 2002 in Berlin und Brandenburg; bereits im August 2003 wurde dort das analoge terrestrische Signal abgeschaltet – weltweit die erste Region mit vollständigem Analog-Aus. Bis Ende 2005 folgten die großen Ballungsräume, die letzten analogen terrestrischen Sender gingen zum 31. Dezember 2008 vom Netz. Mehr als 200.000 DVB-T-Set-Top-Boxen wurden allein in der Startregion verkauft.

Neue Funktionen durch Digitalisierung

Neben mehr Programmen ermöglichten digitale Standards Funktionen, die analog nicht möglich waren: Elektronische Programmführer (EPG) zeigten Sendungsinformationen direkt auf dem Bildschirm, Untertitel verbreiteten sich. Wichtig: Digital-TV und HDTV sind nicht dasselbe. Digitalisierung meinte zunächst nur die Übertragungsart; höhere Auflösung kam später hinzu, war aber durch die digitale Infrastruktur erst effizient realisierbar.

DVB-I: Fernsehen und Streaming zusammenführen

Mit DVB-I steht der nächste Standard bevor. Er soll lineares Fernsehen und Streaming über das Internet stärker verbinden, sodass für Zuschauer der technische Übertragungsweg in den Hintergrund tritt. Daran arbeiten ARD, ZDF, RTL Deutschland, ProSiebenSat.1, die Bundesnetzagentur sowie die Verbände VAUNET und ZVEI. Laut ARD wird künftiges Fernsehen sowohl individueller als auch wieder stärker kuratiert; Mediatheken gewinnen weiter an Bedeutung.

Was ist noch unklar?

Ein konkreter Zeitplan für die Einführung von DVB-I wird in den Quellen nicht genannt. Auch offen bleibt, wie schnell sich der Standard in Endgeräten durchsetzt und welche Auswirkungen er auf die bestehenden DVB-Übertragungswege (Satellit, Kabel, Antenne) hat.

Wie geht es weiter?

Die beteiligten Sender, Behörden und Verbände treiben die DVB-I-Einführung gemeinsam voran. Ein weiterer Meilenstein wäre die breite Verfügbarkeit von DVB-I-fähigen Geräten am Markt, über die die Quellen keine Aussagen treffen.

Quellen

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