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18 Irrtümer über Vulkane: Was eine neue Forschungsarbeit richtigstellt

Eine Übersichtsarbeit sammelt 18 verbreitete Irrtümer über Vulkanausbrüche – und dokumentiert, wie KI-Videos und falsche Berichte Schlagzeilen prägen. Eine Nature-Studie beziffert zugleich das Risiko einer Mega-Eruption.

anltx Redaktion4 min Lesezeit Mit KI erstellt

Was passiert ist

Eine aktuell veröffentlichte Übersichtsarbeit im Fachjournal Journal of Applied Volcanology listet 18 der am weitesten verbreiteten Irrtümer über Vulkane und ihre Eruptionen auf. Erarbeitet wurde sie von einem internationalen Team von Vulkanologen in Zusammenarbeit mit dem italienischen Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia (INGV); beteiligt war Boris Behncke vom INGV-Observatorium Etna. Das italienische Portal Made in Pompei berichtet am 15. Oktober 2026 über die Arbeit.

Worum es in der Studie geht

Die Autoren ordnen die Fälle in sechs Themenblöcke: Seismologie; Vulkane und Klima; vulkanische Systeme und Strukturen; Vulkangefährdung; Zeiten und Periodizität; Fotos und Videos. Behandelt werden populäre Begriffe wie "Feuergürtel des Pazifik", "Supervulkane" oder "Mega-Tsunami", aber auch die Unterscheidung zwischen Vulkanasche und Rauch. Behncke beschreibt die Arbeit sinngemäß übersetzt als eine Ressource, die Vulkanologen, Journalisten, Entscheidungsträger und Öffentlichkeit helfen soll, sich richtig zu orientieren – wenn ein Vulkan ausbricht und auch wenn nicht.

Fallstudien und verbreitete Falschmeldungen

Sieben Fallbeispiele zeigen, wie falsche Informationen verbreitet und später korrigiert wurden: Monte Agung auf Bali, der Etna in Sizilien, Kīlauea auf Hawaii, Tajogaite auf La Palma, La Soufrière auf St. Vincent, Taal auf den Philippinen sowie die Yellowstone-Caldera. Ein oft wiederholtes Beispiel: Zur Eruption des Etna 1669 heißt es, es seien Tausende Menschen gestorben – tatsächlich kam niemand um, weil sich die Lava langsam genug bewegte, um auszuweichen. Bei der Yellowstone-Caldera verbreiten sich laut Studie bei jeder kleinen Änderung der Messwerte Szenarien einer unmittelbar bevorstehenden apokalyptischen Eruption; dieses Ereignis gilt als extrem unwahrscheinlich.

Behncke verwies zudem auf KI-generierte oder manipulierte Aufnahmen. Sinngemäß übersetzt sagte er, trotz verfügbarer authentischer Videos seien nach der jüngsten Eruption des Anak Krakatau in Indonesien klar KI-veränderte Clips viral gegangen; sogar die Eruptionen des Etna von Juli und August 2026 seien als Anak-Krakatau-Material "verkauft" worden.

Wie groß ist das Risiko

Eine zweite, bereits im November 2024 in Nature veröffentlichte Studie untersucht die Folgen einer großen Eruption. Laut Markus Stoffel von der Universität Genf sprechen geologische Belege aus den letzten 60.000 Jahren für eine Wahrscheinlichkeit von eins zu sechs, dass ein vergleichbares Ereignis in diesem Jahrhundert auftritt. Für ein Extremszenario nennt die Studie Schätzungen von Lloyd's: mehr als 3,6 Billionen Dollar Verluste im ersten Jahr und weitere 1,2 Billionen Dollar in den Folgejahren – infolge extremer Wetterfolgen, sinkender Ernten und instabiler Lebensmittelversorgung.

Als Referenz dient der Tambora auf Indonesien 1815: rund 90.000 Menschen starben auf Sumbawa und Lombok, die Nordhalbkugel kühlte um ein Grad ab, das ungewöhnlich kalte Wetter hielt in Nordamerika und Europa bis 1817, die Getreidepreise verdoppelten sich, es kam zu Unruhen in Frankreich und Großbritannien sowie zur ersten US-Wirtschaftskrise, und 1817 grassierte in Indien eine Cholera-Pandemie. Beim Pinatubo 1991 wurden rund 15 Millionen Tonnen Schwefeldioxid freigesetzt, die globale Temperatur sank für einige Jahre um etwa ein halbes Grad. Rund 800 Millionen Menschen leben laut den Quellen innerhalb von 100 Kilometern eines aktiven Vulkans.

Was neu ist – und was nicht

Neu ist die systematische Sammlung verbreiteter Irrtümer und die Dokumentation der Fehlinformationen, nicht eine konkrete Ausbruchsprognose: Keine Quelle nennt einen Vulkan oder einen Termin. Die Nature-Studie ist von November 2024 und damit kein tagesaktueller Beitrag. In einem wärmeren Planeten, so die Nature-Autoren, verändern sich zahlreiche physikalische und chemische Prozesse in Atmosphäre, Ozeanen und an Land.

Was noch unklar ist

Welcher Vulkan als Nächstes betroffen wäre, sagen die Quellen nicht. Die Kostensummen stammen aus einem ausdrücklich als extrem bezeichneten Szenario und sind keine Prognose. Warnstufen, konkrete Evakuierungs- oder Vorsorgepläne mit Daten nennen die Quellen ebenfalls nicht.

Wie es weitergeht

Die Nature-Autoren schlagen drei Ansätze vor: Klimamodelle und geologische Belege zu vergangenen Klimaten mit historischen Daten zur Vulkanaktivität zu verbinden; zu untersuchen, wie vulkanische Abkühlung mit der anthropogenen Erwärmung zusammenspielt; und gemeinsam mit Analysten und Politik Strategien zu entwickeln, die Klimamodelle, Landwirtschaft und Ernährungsschocks kombinieren. Konkrete Termine nennen sie dafür nicht.

Quellen

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