17,6-Meter-Freak-Welle vor Kanada: Messdaten weisen sie als extremstes bekanntes Verhältnis aus
Was gemessen wurde
Am 17. November 2020 registrierte eine Messboje des Forschungsinstituts MarineLabs vor Ucluelet, an der Westküste der kanadischen Vancouver-Insel, einen Wellenpeak von 17,6 Metern – etwa vier Stockwerke hoch. Die umgebenden Wellen lagen damals bei lediglich rund sechs Metern. Das Ereignis wurde 2022 von Johannes Gemmrich, Physiker an der Universität von Victoria, und Kollege Cicon in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht. Bereits damals war klar: Gemessen an ihrem Verhältnis zur Umgebung ist es die extremste je von einem Instrument erfasste Freak Wave.
Die Messung ist also nicht neu – neu ist der Blick auf die Gefahrenabschätzung. Im Februar 2026 erschien in Ocean Science eine Analyse der Universität von Südflorida, die Bojenmessungen über Jahre mit den ozeanographischen Vorhersagemodellen vergleicht.
Warum das Verhältnis zählt
Ozeanographen definieren eine Freak Wave als eine Welle, die mindestens doppelt so hoch ist wie die Wellen in ihrer Umgebung. Entscheidend ist also nicht die absolute Höhe, sondern der Abstand zum Umfeld.
Nach dieser Logik bleibt die Welle von der Bohrinsel Draupner vom 1. Januar 1995 der absolute Höhenrekord: 25,6 Meter, gemessen 160 Kilometer vor der norwegischen Küste in der Nordsee, wo die Wellen bis zu zwölf Meter erreichten. Ihr Verhältnis lag bei 2,13. Die Welle von Ucluelet kommt auf 2,9 – rund 40 Prozent höher, bei geringerer Absoluthöhe. Draupner gilt als die erste wissenschaftlich anerkannte Freak Wave überhaupt; davor wurdenBerichte von Seeleuten aus dem 17. Jahrhundert lange als physikalisch unmöglich abgetan.
Wie häufig treten sie wirklich auf?
Die Schätzung, die im Raum steht, lautet: einmal in etwa 1.300 Jahren. Zum Vergleich – die lineare Wellentheorie nach Rayleigh-Verteilung nennt für ein Verhältnis über 2,2 eine Wahrscheinlichkeit von rund 1 zu 16.000, was statistisch alle zwei Tage eintreten würde. Die an Ucluelet gemessenen Werte liegen weit darüber.
Für die Entstehung liefern die kanadischen Daten ein ungewöhnliches Ergebnis: Simulationen auf Basis der Überlagerung von Stokes-Wellen passen zur Messung, die nichtlineare Modulationsinstabilität – ein im Labor bekannter Erzeugungsmechanismus – apparently nicht. Gemmrich zu den Beobachtungen: „Nur wenige Freak Waves wurden bisher direkt auf hoher See beobachtet, und keine hatte diese Größe erreicht“ (sinngemäß übersetzt).
Was Modelle falsch einschätzen
Die Studie von 2026 kommt zu dem Ergebnis, dass gängige Ozeanmodelle die Höhe extremer Wellen systematisch unterschätzen. Die untersuchten Aufzeichnungen zeigen zudem ein saisonales und geografisches Muster: Freak Waves konzentrieren sich im Winter sowie vor der Westküste Nordamerikas und im Nordatlantik – genau dort, wo auch die Rekordmessung entstand. Fredzone berichtet von einem möglichen Vorzeichen: In drei Vierteln der betrachteten Fälle ging dem Ereignis ein abrupter Einbruch der Wellenkorrelation voraus, gefolgt von einem schnellen Anstieg.
Warum das für Schiffe und Küsten zählt
Scott Beatty, Geschäftsführer von MarineLabs, betont die Unvorhersehbarkeit dieser Wellen und sieht darin eine reale Gefahr für maritime Operationen und für Menschen an den Küsten. Bisher verursachten weder Ucluelet noch Draupner direkte Schäden oder Todesfälle; mehrere ungeklärte Schiffsverluste in den 1970er-Jahren werden heute solchen Wasserwänden zugeschrieben.
Eine Studie in Science Advances von 2020 erwartet für den Nordpazifik durch den Klimawandel stärkere Winterstürme und damit höhere durchschnittliche Wellenhöhen – in einer Region, in der Freak Waves bereits gehäuft auftreten.
Was ist noch unklar
Ob und wie sich der 1.300-Jahres-Wert auf andere Regionen übertragen lässt, sagen die Quellen nicht. Ein praxistaugliches Warnsystem auf Basis der beschriebenen Vorzeichen ist beschrieben, aber nicht als im Einsatz befindlich. Und ob die Boje von Ucluelet als Referenz für künftige Rekorde taugt, ist offen.
Quellen
- Une vague monstrueuse de 17,6 mètres a surgi dans le Pacifique : du jamais-vu dans les relevés scientifiquesjournaldugeek.com
- Elle n'arriverait qu'une fois tous les 1 300 ans : au large du Canada, une bouée isolée a enregistré la vague scélérate la plus extrême jamais mesuréesciencepost.fr
- La vague géante du Pacifique bat tous les records de dangerosité relativefredzone.org
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