SpaceX kauft US-Mobilfunkfrequenzen – Telekom-Aktien stürzen ab
SpaceX schließt Frequenzlücke für satellitengestützten Mobilfunk
SpaceX hat sich ein landesweites Portfolio an Niedrigfrequenz-Spektrum im 800-Megahertz-Bereich in den USA gesichert. Verkäufer ist der Finanzinvestor Grain Management, der sein komplettes Portfolio abgibt. Über den Kaufpreis machten beide Seiten keine Angaben; das "Wall Street Journal" schätzt die Summe auf rund acht Milliarden Dollar. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die US-Kommunikationsbehörde FCC.
Was ist neu: Wände und Dächer sind kein Hindernis mehr
Bisher konnten Starlink-Satelliten Smartphones nur im Freien erreichen, da Nutzer freie Sicht zum Satelliten benötigten. Die neu erworbenen Low-Band-Frequenzen durchdringen dagegen Wände und Dächer und ermöglichen damit die Versorgung von Geräten in Innenräumen. SpaceX bezeichnete den Kauf auf X als das "letzte entscheidende Puzzleteil", um in den gesamten USA Mobilfunk anbieten zu können. Die Frequenzen ergänzen das globale 2-Gigahertz-Spektrum, das Starlink bereits im vergangenen Jahr für 19,6 Milliarden Dollar erworben hatte.
Börsenreaktion: Deutliche Kursverluste bei etablierten Anbietern
An der Börse sorgte die Ankündigung für erhebliche Kursbewegungen am Freitag:
- Deutsche Telekom: -7,5 Prozent (schwächster DAX-Wert, größter Tagesverlust seit über drei Jahren)
- T-Mobile US (Tochter der Deutschen Telekom): -6 bis -10 Prozent im nachbörslichen Handel
- AT&T: -5,7 bis -6 Prozent
- Verizon: -5,3 bis -6 Prozent
- Europäische Telekomwerte (Vodafone, Orange, Telefónica, BT, KPN): -1,1 bis -3,8 Prozent
Der Stoxx-600-Index der europäischen Telekommunikationsunternehmen gab rund drei Prozent nach. SpaceX selbst legte an der Börse um etwa zwei Prozent zu.
Warum das relevant ist: Bedrohung für das profitabelste Telekom-Geschäft
Besonders die Deutsche Telekom ist exponiert, da die US-Tochter T-Mobile US als profitabelste Sparte und wichtigster Wachstumstreiber gilt. Telekom-Chef Tim Höttges hatte noch im Sommer erklärt, er sehe in einem flächendeckenden Mobilfunkangebot von SpaceX keine Bedrohung. Analysten des Research-Hauses William Blair erwarten hingegen ein "äußerst attraktives Paket aus Starlink-Breitband und -Mobilfunk" und halten es für möglich, dass die KI "Grok" der SpaceX-Sparte xAI darin enthalten sein wird.
Noch offene regulatorische Hürden
Bevor Starlink Mobile tatsächlich starten kann, benötigt SpaceX eine weitere FCC-Genehmigung, um das Satelliteninternet mit einem terrestrischen Netzwerk zu verknüpfen. Erst diese Kombination soll flächendeckenden Mobilfunk in den gesamten USA ermöglichen. Die FCC hatte erst wenige Stunden vor der Frequenzankündigung grünes Licht für bis zu 15.000 Satelliten in 330 Kilometern Höhe gegeben, die für Mobilfunkverbindungen im 2-GHz-Bereich optimiert sind. Aktuell betreibt SpaceX erst rund 650 Satelliten dieser Art.
Verhältnis zu Kooperationspartnern unklar
T-Mobile US und die Deutsche Telekom kooperieren bereits mit Starlink. In Deutschland und neun weiteren europäischen Ländern will die Telekom ab 2028 Mobilfunklücken über Starlink ausgleichen. Wie sich das Verhältnis entwickelt, wenn Starlink zugleich als Konkurrent im US-Markt auftritt, bleibt offen. Vergangene Woche gründeten T-Mobile, AT&T und Verizon ein Joint Venture für Satellitenabdeckung in unterversorgten Gebieten – ohne Beteiligung von Starlink. T-Mobile entfernte zudem Hinweise auf Starlink aus Werbeaktionen für T-Satellite.
Wie geht es weiter
- FCC-Entscheidung über die Genehmigung des Frequenzkaufs (offen)
- FCC-Entscheidung über die Erlaubnis zur Kombination von Satelliten- und terrestrischem Netz (offen)
- Geplanter Start von bis zu 15.000 weiteren Starlink-Satelliten für Mobilfunk (nach FCC-Genehmigung vom September 2026)
- Telekom-Plan: Nutzung von Starlink zur Schließung von Mobilfunklücken in Deutschland und neun weiteren europäischen Ländern ab 2028
Quellen
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