WirtschaftÜberwachung an der Kasse

Selbstbedienungskassen: Neue Überwachungstechnik gegen Diebstahl

Selbstbedienungskassen verlieren zunehmend an Vertrauen: Neue KI-gestützte Überwachungssysteme wie 'Sesame' sollen Diebstähle reduzieren – doch was bedeutet das für die Privatsphäre der Kunden?

anltx Redaktion3 min Lesezeit Mit KI erstellt

Tatort Selbstbedienungskasse

Am 15. Oktober 2026 ereignete sich in einem Lebensmittelgeschäft in der Bäderstraße in Wangerland ein Ladendiebstahl an einer Selbstbedienungskasse. Nach Polizeiangaben passierte ein 38-Jähriger den Kassenbereich, ohne die mitgeführten Waren zu bezahlen. Er gab an, nicht zu wissen, wie die Waren an der SB-Kasse eingescannt werden müssen. Die Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren ein.

Überwachungstechnik im Einsatz

Ein TikTok-Video aus Regensburg hatte zuvor für Aufregung gesorgt und zeigte, wie Detektive in Hinterräumen jeden Artikel sehen konnten, den Kunden an der SB-Kasse einscannen. Ausgangs-Gates an SB-Kassen sollen in zahlreichen Supermärkten verhindern, dass Ware geklaut wird.

Das ITAB-System "Sesame" setzt erstmals breit ein: Mithilfe von Künstlicher Intelligenz und Sensoren an der Decke werden Kunden im SB-Kassen-Bereich erfasst. Das System erkennt Körpergröße und Körperform und kann Bewegungen wie Bücken oder das Abnehmen eines Hutes erkennen – ohne Gesichtserkennung. Gesichtsmasken stellen kein Hindernis dar. Das System ist derzeit in mehreren tausend Supermärkten in Europa im Einsatz. Allein Kaufland hat ITAB-Terminals in rund 300 deutschen Filialen mit etwa 2.000 Geräten integriert. Bis Anfang 2029 soll der Rollout auf alle über 750 Kaufland-Filialen in Deutschland mit mehr als 8.000 Terminals ausgeweitet werden. Auch Lidl plant den Ausbau auf mehr als 500 Filialen allein in Deutschland. Zusätzlich gibt es drei Arten von Ausgangs-Gates: Gates, die nur mit bezahltem Bon öffnen; Gates, die nur nach Auslösen eines Zahlungsvorgangs an der SB-Kasse öffnen; und Gates mit Technologie, die Kunden bis zum Gate tracken.

Warum relevant

Die Entwicklungen betreffen sowohl Supermarktkunden als auch die Retail-Branche. Die EHI geht von deutlich höheren Verlustquoten an SB-Kassen aus – Verluste liegen im Schnitt bis zu 30 Prozent höher als an normalen Kassen seit 2015. Für Verbraucher ist die Frage relevant, wie weit die Überwachung im Alltag reicht.

Was ist noch unklar

Wie effektiv die neuen Überwachungssysteme tatsächlich Diebstähle reduzieren, bleibt abzuwarten. Ebenfalls ungeklärt: Der genaue Umfang der Datenspeicherung und ob die Technologie auch in kleineren Händlern jenseits von Kaufland und Lidl zum Einsatz kommt. Die Privatsphäre-Aspekte der Bewegungsverfolgung im Laden sind zudem Gegenstand Diskussionen, die in den Quellen nur am Rande thematisiert werden.

Wie geht es weiter

  • Kaufland will den Rollout der ITAB-"Sesame"‑Systeme bis Anfang 2029 auf alle über 750 Filialen in Deutschland ausweiten – dann mit mehr als 8.000 Terminals.
  • Lidl plant den Ausbau auf mehr als 500 Filialen allein in Deutschland, auch in Baumärkten und anderen Bereichen des Einzelhandels.

Diese Schritte sind ausdrücklich in den Quellen genannt; weitere Prognosen werden nicht aufgestellt.

Quellen

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