WirtschaftKI-Transformation bei der Telekom

Deutsche Telekom will bis 2030 2,5 Milliarden Euro durch KI einsparen – Belegschaft soll schrumpfen

Der Konzern setzt auf KI-Agenten für Netzbetrieb und Service. Gewerkschaft warnt vor Arbeitsplatzabbau und höherer Belastung der Verbliebenen.

anltx Redaktion3 min Lesezeit Mit KI erstellt

Sparziel durch KI mehr als verdoppelt

Die Deutsche Telekom hat ihr Einsparziel durch Künstliche Intelligenz und Automatisierung deutlich nach oben korrigiert. Bis 2030 sollen 2,5 Milliarden Euro eingespart werden, wie Vorstandsvorsitzender Tim Höttges auf dem KI-Analystentag in Bonn ankündigte. Beim vorangegangenen Investorentag 2024 waren noch 800 Millionen Euro für 2027 avisiert worden. Laut Höttges werden in Europa bereits 1,1 Milliarden Euro jährlich eingespart – 300 Millionen Euro mehr als das damalige Ziel.

KI-Karriere-Coach ab 2027

Parallel startet 2027 ein "KI-Karriere Coach", der alle rund 232.000 Mitarbeitenden auf individuellen Lernpfaden begleiten soll. Bereits 83 Prozent der Belegschaft nutzen KI am Arbeitsplatz, 30 Prozent gelten intern als Experten. Personalchefin Birgit Bohle formulierte das Ziel offen: "Employability – egal ob im Unternehmen oder außerhalb der Deutschen Telekom". Eine gezeigte Grafik macht deutlich: Die Mehrheit soll upskilled werden, ein Teil das Unternehmen verlassen, neue Einstellungen machen nur etwa ein Drittel der Abgänge aus. Die Belegschaft wird am Ende des Prozesses spürbar kleiner sein.

Vier eigens entwickelte KI-Agenten im Einsatz

Der Konzern betreibt rund 500 KI-Projekte und zeigte vier interne Anwendungen:

  • RAN Guardian: Drei Agenten scannen das Internet nach Großveranstaltungen (>1.000 Besucher), antizipieren Netzlast und leiten Gegenmaßnahmen ein.
  • MINDR: Löst 96 Prozent der Mobilfunk-Störungen autonom, nur 4 Prozent erfordern Techniker-Einsatz.
  • CXI: Berechnet die Servicequalität pro Kunde über alle Sparten (Mobilfunk, Festnetz, TV) und steuert Angebote sowie Netzausbau.
  • Glasfaser-KI: Prüft Baustellenfotos auf Fehler, dokumentiert 100 Prozent der Projekte automatisch, führte zu 15 Prozent Qualitätsverbesserung und 20 Prozent korrigierten Subunternehmer-Rechnungen.

Gewerkschaft kritisiert "Umschreibung für Arbeitsplatzabbau"

Die DPVKOM sieht die Transformation kritisch. Bundesvorsitzende Christina Dahlhaus nennt den Begriff "Transformation" eine "nette Umschreibung von geplantem Arbeitsplatzabbau". Die vermehrte KI-Nutzung habe bereits zu "enormer Arbeitsverdichtung für die Übriggebliebenen" geführt. Von Produktivitätsgewinnen profitiere die Belegschaft nicht. Die Beschreibung von Fortbildung "außerhalb des Unternehmens" empfinde man als zynisch.

Umsatzseite bleibt konservativ

Dem Einsparziel von 2,5 Milliarden Euro steht ein "potenzieller zusätzlicher Umsatz" durch KI-Produkte von einer Milliarde Euro in Europa gegenüber. Höttges räumt ein: "Wir haben dieses Ziel konservativ gesetzt – intern verfolgen wir einen sehr viel optimistischeren Plan." Analyst John Strand ordnet ein: Alle Wettbewerber nutzten KI zur Kostensenkung, greifften aber auf dieselben Basisangebote zurück. Die Telekom setze auf selbst gebaute Agenten als Differenzierungsmerkmal.

Was noch unklar ist

  • Konkrete Zahl der abzubauenden Stellen und Zeitplan
  • Ob und wie die "sozialverträgliche" Gestaltung (Altersteilzeit, Abfindungen, Versetzungen) ausgestaltet wird
  • Wie sich der "optimistische interne Plan" für KI-Umsätze konkret zusammensetzt
  • Ob die KI-Einsparungen nachhaltig sind oder einmalige Effekte enthalten

Wie es weitergeht

  • 2027: Start des KI-Karriere-Coachs für alle Mitarbeitenden
  • Bis 2030: Erreichen des 2,5-Milliarden-Euro-Einsparziels durch KI/Automatisierung
  • Fortlaufend: Ausbau der rund 500 KI-Projekte und Skalierung der vier gezeigten Agenten

Quellen

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