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Datenzentren überlasten niederländisches Stromnetz

Ein Drittel der Nachfrage nach Stromanschlüssen kommt von Datenzentren – das Netz steht unter Druck. Was das für Haushalte bedeutet.

anltx Redaktion3 min Lesezeit Mit KI erstellt

Stromengpässe durch Datenzentren in den Niederlanden

Die Netzbetreiber in den Niederlanden haben bestätigt, dass nahezu ein Drittel der angeforderten Leistung auf der Warteliste für Stromanschlüsse auf Datenzentren entfällt. Das entspricht 15 Gigawatt – etwa der gesamten Anschlussleistung aller niederländischen Haushalte. Die Organisation Netbeheer Nederland dringt an die Bundesregierung heran, wegen dieser Entwicklung harte Entscheidungen zu treffen.

Es existiert keine landesweite Standortpolitik für Datenzentren. Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag lediglich einen einzigen Satz untergebracht: die Stimulierung europäischer autonomer Datenzentren. Obwohl im April fast das gesamte Parlament konkrete landesweite Regelungen forderte, haben die Staatssekretäre seitdem angekündigt, schneller Platz auf dem überfüllten Stromnetz schaffen zu wollen.

Joris de Groot von Alliander beschreibt die Situation als Phase erreichten Knappheitsgrenzwertes: Die bereits installierten Datenzentren lasten das niederländische Stromnetz nachhaltig aus. Nach Berichten der Zeitung NRC verbraucht das größte Datenzentrum des Landes so viel Energie wie ein Prozent aller Haushalte.

Derzeit existieren in den Niederlanden fast 200 große und 300 kleinere Datenzentren, weitere etwa 200 stehen laut Planung bevor. Kommunen entscheiden formell über die Ortsansiedlung – in der Praxis prüfen sie lediglich, ob der Antrag in den Raumordnungsplan passt. Wird ein Datenzentrum nicht explizit ausgeschlossen, besitzen Kommunen kaum bis gar kein Mitspracherecht über die Errichtung. Die Stromanschlüsse selbst werden von den Netzbetreibern vergeben. Vor dem vergangenen Jahr galt dort das Prinzip erste Meldung zuerst – inzwischen können Netzbetreiber in spezifischen Fällen etwa neuen Wohngebieten Vorrang vor Datenzentren einräumen, sofern Kapazitäten verfügbar sind.

Die Kosten für den erforderlichen Netzausbau beziffern die Netzbetreiber inzwischen auf einen Bereich von rund 200 Milliarden Euro bis zum Jahr 2040. Zur Finanzierung wird sich die Stromrechnung der Haushalte in den kommenden Jahren deutlich erhöhen. Joris de Groot fordert die Bundesregierung auf, klarzustellen, ob all diese Investitionen notwendig seien und für wen – das könne enorme gesellschaftliche Kosten unterscheiden.

Aus der Praxis bekannt ist ein Microsoft-Datenzentrum im nordholländischen Dorf Middenmeer. In Alphen aan den Rijn erhielt ein Datenzentrum an der Boerhavenweg eine Baugenehmigung; sein Energieverbrauch stünde im Vergleich zur angefragten Anschlussleistung bei Netzbetreiber Liander im Bereich von etwa 25.000 Haushalten. Gemeinderäte wie Erik van Zuylen warnen davor, dass durch die massive Kapazitätsführung in Richtung Datenzentren künftig andere Unternehmen schwerer angeschlossen werden könnten oder neue Wohngebiete realisierbar wären.

Zusätzlich wird die mögliche Lärmbelastung durch Kühlanlagen für Anwohner thematisiert. Wie stark ein geplantes Datenzentrum stört und was davon im Nachbargebäude hörbar sein wird, ist nach aktuellem Stand noch nicht abschließend geklärt. Die Gemeinde gewährte die Baugenehmigung, weil das Vorhaben mit dem Raumordnungplan vereinbar ist – sie sei für die bauliche Aktivität zur Pflicht verpflichtet gewesen. Für technische und umweltbelastende Tätigkeiten ist nach wie vor eine separate Umweltgenehmigung erforderlich.

Darüber hinaus wird diskutiert, ob und wie Datenzentren in Zukunft durch etwa Batteriesysteme oder die Nutzung von Restwärme die Belastung des Stromnetzes verringern könnten. Nach Einschätzung der Experten dürfte dies jedoch nicht ausreichen, um den insgesamt wachsenden Bedarf zu decken.

Quellen

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