Android-Erdbebenwarnung jetzt in 213 Regionen: Google nutzt Milliarden Smartphones als Seismometer
Google meldet Ausweitung auf 213 Regionen
Google hat am 15. Oktober 2026 mitgeteilt, das "Android Earthquake Alerts System" von bislang 98 auf 213 Regionen auszubauen. Die Zahl der Zielgebiete hat sich damit mehr als verdoppelt. Die neuen Regionen setzen sich aus 175 Staaten und 38 Überseegebieten wie Guam, Puerto Rico oder Grönland zusammen. Die eigentliche Ausweitung auf die neuen Gebiete soll noch am 15. Oktober begonnen haben und binnen etwa einer Woche abgeschlossen sein.
Die Geschichte des Systems ist kurz: gestartet wurde es im August 2020 in Kalifornien, 2021 kamen Griechenland und Neuseeland dazu, im September 2023 mehr als 95 Länder, im September 2024 die gesamten USA.
Welche Länder neu auf der Liste stehen
Neu aufgenommen sind laut den Quellen unter anderem Panama und Guatemala, weitere Staaten Mittel- und Südamerikas, das Vereinigte Königreich, die Niederlande, mehrere nordische Länder, Singapur, Vietnam, Kambodscha sowie zahlreiche afrikanische Staaten. Deutschland wird in den Quellen nicht als Zielgebiet genannt.
Eine Ausnahme bleibt bei der Technik: In den drei US-Bundesstaaten Kalifornien, Oregon und Washington kommen die Warnungen nicht aus den Sensoren der Geräte, sondern aus dem Erdbebenmessnetz ShakeAlert.
Wie eine Warnung entsteht
Android-Handys nutzen für die Erdbeben-Erkennung den Beschleunigungssensor, der ohnehin Bewegung und Lage des Geräts erfasst. Nimmt ein Telefon eine Erschütterung wahr, die einem Beben ähneln könnte, schickt es ein Signal mit grober Standortangabe an Google-Server. Die Server werten die Meldungen vieler Geräte gemeinsam aus und entscheiden, ob tatsächlich ein Erdbeben stattfindet – eine einzelne Erschütterung kann ebenso gut ein vorbeifahrendes Fahrzeug sein. Gerade in Regionen ohne dichtes Messnetz sollen die Geräte so eine Lücke schließen.
Nach Unternehmensangaben wurden bislang mehr als eine Milliarde Warnungen verschickt. Google verweist darauf, dass weltweit über zwei Milliarden Android-Geräte im Einsatz seien – nicht alle davon leisten auch tatsächlich Meldungen.
Die drei Warnstufen
Je nach erwarteter Stärke unterscheidet das System drei Stufen. Bei leichter Erschütterung erscheint „Be Aware", das auf ein nearby registriertes Beben hinweist. „Be Ready" fordert zur Vorbereitung auf stärkere Erschütterungen auf, „Take Action" füllt bei mittleren bis starken Erschütterungen den gesamten Bildschirm und zeigt unmittelbar Verhaltenshinweise zum Eigenschutz.
Grenzen des Verfahrens
Google nennt als Voraussetzung eine Mindeststärke von 4,5 sowie eine aktive Datenverbindung über WLAN oder Mobilfunk. Nicht jedes Beben wird erfasst, und Schätzungen der Erschütterungsstärke können fehlerhaft ausfallen. Eine Warnung erreicht das Gerät zudem nicht garantiert vor dem Beginn des Bebens.
Was noch unklar ist
Zu der Leserfrage nach der Aktivierung: Die Quellen beschreiben weder einen Einschaltvorgang in den Android-Einstellungen noch eine entsprechende Funktion für das iPhone. Google verweist auf seine offizielle Hilfe, deren konkreter Inhalt in den Meldungen nicht wiedergegeben ist. Ob und wann Japan folgen, ist nicht belegt – dort läuft weiterhin die Notfallwarnung der japanischen Wetterbehörde (JMA), die nach Darstellung der Quellen nicht auf den Sensoren der Android-Geräte beruht.
Wie es weitergeht
Für die Stufe „Be Ready" plant Google in den kommenden Monaten zusätzliche Inhalte: eine Karte, die den erfassten Bereich als Kreis zeigt, die geschätzte Magnitude, die empfohlenen Handlungen und eine Schaltfläche für weitere Erdbebeninformationen.
Quellen
- 世界中のAndroidスマホが「地震計」に 史上最大の観測網 200超の国と地域に拡大 - CNET Japanjapan.cnet.com
- 一気に倍!Android「地震アラート」提供地域拡大 – Jetstreamjetstream.blog
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