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    "title": "Schaltsekunden fallen weg: Ab Mai 2027 läuft die Weltzeit ohne Korrektur",
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    "body_markdown": "## Beschluss in Versailles\n\nDas Internationale Büro für Maß und Gewicht (BIPM) hat am Donnerstag, 15. Oktober, auf seiner in Versailles versammelten 28. Generalkonferenz der Meterkonvention (CGPM) entschieden, die Schaltsekunde abzuschaffen. Der ursprünglich für 2035 geplante Ausstieg wird damit um acht Jahre vorgezogen. Ab dem 20. Mai 2027 soll die Koordinierte Weltzeit (UTC) ohne Korrekturen durchlaufen; die Differenz zum astronomischen UT1 darf dabei bis auf rund eine Stunde anwachsen.\n\n## Bisheriger Zustand\n\nZwei Maßstäbe liefen nebeneinander: die Erdrotation als astronomische Zeit (UT1) und die Atomuhren, aus denen UTC abgeleitet wird. Seit 1967 gilt die zweite Definition – eine Sekunde entspricht 9.192.631.770 Schwingungen des Cäsium-133-Atoms. Weil die Erddrehung nicht konstant ist, wurden seit 1972 insgesamt 27 Schaltsekunden eingefügt, jeweils bei einer Abweichung von rund 0,9 Sekunden. Wann im Jahr das geschah, war nicht geregelt; üblich waren Silvester und Juni. Seit 2016 wurden keine Schaltsekunden mehr eingefügt – zunächst weil es nicht nötig war, ab 2022 weil die Maßnahme auf 2035 verschoben wurde.\n\n## Was sich ab Mai 2027 ändert\n\nDie Atomuhren selbst sind nicht betroffen. Sie laufen laut Antonio Estarellas vom spanischen Real Instituto y Observatorio de la Armada, das die Atomuhren und die offizielle Zeit in Spanien betreut, sinngemäß übersetzt weiter unterbrechungsfrei und liefern eine präzise, stabile Referenz. Geändert wird nur der Toleranzbereich: Statt 0,9 Sekunden wird er deutlich erweitert, sodass UTC laut CGPM \"für Jahrhunderte oder länger\" durchlaufen kann. Länge des Tages und Länge der Sekunde bleiben unverändert, es wird weder eine Sekunde hinzugefügt noch abgezogen.\n\n## Warum die Behörden jetzt abschalten\n\nDer Druck kam zuletzt von der Erddrehung selbst, die sich in den vergangenen Jahren beschleunigt hat. Damit rückt erstmals ein \"negativer Schaltsekunde\" in den Bereich des Möglichen – also eine Sekunde, die abgezogen statt addiert wird. Die CGPM beziffert die Wahrscheinlichkeit dafür im nächsten Jahrzehnt auf rund 30 Prozent.\n\nHinzu kommt die Bilanz bisheriger Panne. Bei der Einführung eines Schaltsekunders 2012 bekamen bei der australischen Qantas mehr als 400 Flüge Probleme mit Abrechnung und Zeitplan; 2016 fielen mehrere Webseiten und Internetdienste bis zu zwei Stunden aus. Die CGPM verweist auf mögliche Folgen für Mobilfunknetze und Stromnetze.\n\n## Für wen das wichtig ist\n\nFür die angezeigte Uhrzeit ändert sich sichtbar wenig. Wer bisher Sonderlogik rund um die Schaltsekunde in Systemen und Software vorgehalten hat – bis hin zum kurzzeitigen Anhalten der Uhr, wie es Time and Date beschreibt –, kann sie ab 2027 abbauen.\n\nWichtiger ist die Freigabe, die María Dolores del Campo, Direktorin des spanischen Metrologie-Zentrums CEM, einfordert: sinngemäß übersetzt die wachsende Nutzung von GNSS-Zeit als Referenz. Die Navigationssysteme GPS, GLONASS, Beidou und Galileo führen jeweils eigene Zeitskalen, die um mehrere Sekunden von UTC abweichen können. Statt eigener Behandlungswege für jeden dieser Fälle ist eine durchlaufende UTC eine einheitliche Bezugsgröße für Telekommunikation und andere Systeme, die auf exakte Zeit angewiesen sind. Für die Astronomie bleibt UT1 direkt nutzbar – laut Estarellas lassen sich darüber Positionen von Gestirnen bestimmen und Teleskope ausrichten, ohne dafür UTC angleichen zu müssen.\n\n## Wie es weitergeht\n\nAb dem 20. Mai 2027 wächst die Differenz zwischen UT1 und UTC schrittweise und nicht gleichmäßig, weil die Drehgeschwindigkeit langfristig schwer vorherzusagen ist. Den Angaben zufolge werden dafür Jahrhunderte vergehen, bis die 3.600 Sekunden erreicht sind.\n\n## Was ist noch unklar\n\nDie Berichterstattung stammt von spanischsprachigen Medien (El País, El Espectador, Pulzo) und nennt keine Umsetzungsdetails für einzelne Länder: Ob und wie Zeitdienste, Netzbetreiber oder Softwareanbieter in Deutschland auf den Stichtag reagieren, wird nicht erläutert. Auch bleibt offen, welche praktischen Auswirkungen die wachsende Differenz auf astronomische Beobachtungspläne oder langfristige Terminplanung hätte.",
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